Rettung in letzter Sekunde – wie ich beim Klettern aufgrund mentaler Schwäche fast abstürzte

Ich bin leidenschaftliche Felskletterin. Jahrelang war ich in verschiedensten Gebirgen zum Klettern und Bergsteigen unterwegs.

Falls du mit den technischen Aspekten des Felskletterns nicht vertraut bist, gebe ich dir eine kurze Erklärung. Das ist wichtig für das Verständnis der Geschichte.

Es gibt sehr viele Varianten des Kletterns. Ich beziehe mich auf das sogenannte Freiklettern am Fels. Freiklettern bedeutet nicht frei von Sicherungsmitteln wie Seil, Karabiner, Schlingen. Es heißt, man klettert frei von technischen Hilfsmitteln (z.B. Leitern oder Stehen auf Haken). Wenn du frei kletterst, nutzt du also ausschließlich den Fels zum Festhalten und Treten.
Beim Freiklettern wird man von einem Partner mit einem Seil gesichert. In gewissen Abständen hängt der Vorsteiger (Kletterer, der voraus klettert) das Seil in Zwischensicherungen ein. Diese können entweder schon vorhanden sein (Ringe, Haken) oder müssen vom Vorsteiger selbst angebracht werden. 
Falls nun der Vorsteiger stürzt, passiert ihm im Idealfall nicht viel. Er „fliegt“ eine kurze Distanz bis ihn die Zwischensicherung auffängt. Natürlich muss sein Kletterpartner den Sturz auch abbremsen.
Soweit die Theorie. In der Praxis weiß man allerdings nie, ob dieser Idealfall auch eintritt. Zu viele Faktoren haben Einfluss auf diesen „Idealfall“: Art der Felswand, Zwischensicherung, Höhe. Ein Vorsteiger muss als das Risiko eines Sturzes immer gut kalkulieren und sich mental vorbereiten.
Detaillierte Informationen zum Klettern kannst du hier finden.

Nun zur eigentlichen Geschichte:

Zu DDR-Zeiten war die Sächsische Schweiz (auch Elbsandsteingebirge) unser Klettergebirge. Ein faszinierender Fleck Erde. Über 1000 Gipfel in einer wunderschönen und faszinierenden Landschaft. 

Allerdings gab es damals und in den Anfängen des Freikletterns keine künstlichen Zwischensicherungen. Keine Ringe oder Haken. Der Kletterer musste sich die Zwischensicherungen mit Schlingen selbst „bauen“. Und je nach „Baukünsten“ und Beschaffenheit des Fels waren diese Zwischensicherungen mehr oder weniger vertrauenswürdig.

Rettung in letzter Sekunde

Im Grunde galt deshalb beim Klettern: NIE STÜRZEN.

Aufgrund dieses Risikopotentials war das Klettern vor über 40 Jahren vor allem eine Männerdomäne. Die Männer waren die Haudegen, die Kletterhelden. Sie gingen das Risiko ein und bezwangen Gipfel und steile Felswände.

Falls Frauen überhaupt klettern gingen, dann immer in Begleitung von Männern. Die Männer „brachten“ das Seil nach oben und die Frauen stiegen hinterher. Wenn frau dann „abstürzte“, rutschte sie lediglich ins Seil. Ein sehr überschaubares Risiko 🙂 .

Nun entstand bei uns Frauen zunehmend der Wunsch nach (klettertechnischer) Unabhängigkeit. Wir wollten nach unseren Wünschen unterwegs sein und nicht immer nur den Männern „hinterher traben und klettern“. Wir wollten eigene Gipfel erstürmen.

So gründeten wir 1986 ein erstes Damenklettern. DAMEX für Damen und Expedition 🙂 . Einmal im Jahr zogen wir als Frauen alleine los. Anfangs waren wir zu dritt und später waren bis zu 15 Frauen gemeinsam unterwegs.

Rettung in letzter Sekunde


Bei jedem dieser Anlässe mangelte es aber eklatant an Vorsteigerinnen. Maximal zwei oder drei Frauen trauten sich einen Vorstieg zu. Alle anderen kletterten dann am Ende des Seiles eine nach dem anderen auf den Gipfel.

Ich gehörte zu den mutigen Vorsteigerinnen. (Das Foto ist ein aktuelleres.)

Ein wunderschöner Tag im Sommer 1987

Es war es wieder so weit. Ich machte mich bereit fürs Klettern und Vorsteigen auf einen Gipfel.

Topmotiviert und voll gehängt mit Klettermaterial begann ich zu klettern. Ich bastelte erste Zwischensicherungen und hängte das Seil ein. Ich kam gut vorwärts.

Dann kam die Schlüsselstelle. Die schwierigste Stelle der Kletterroute.

Ich hing mitten in der Felswand. Die letzte Zwischensicherung war unter meinen Füssen.

Und plötzlich kam der Stillstand. Und ich traute mich nicht mehr weiter hoch zu klettern.

Mein Kopf fing an zu arbeiten:

  • Je höher ich klettern würde, umso tiefer würde ich stürzen.
  • Ein Rückzug schien ebenfalls unmöglich.
  • Ich malte mir meinen Sturz aus und verkrampfte völlig.

Das war sie: die immer gefürchtete Situation. Nichts und niemand hatte mich darauf vorbereitet.

Ich fing an, laut um Hilfe zu betteln. Aber wer konnte schon helfen?

Von den unten versammelten Frauen kamen beruhigende Worte. Entspann dich. Du kannst das. Wenn du stürzt, passiert nichts. Ich sichere dich.

Das alles half nichts. Ich hielt mich krampfhaft am Fels fest und überlegte, wie lang wohl meine Kraft ausreichen würde, bis ich stürze.

Dann kam eine rettende Idee. Auf der Rückseite des Gipfels gab es einen sehr einfachen Kletterweg (fast ein Wanderweg) zum Gipfel. Den trauten sich zwei Frauen. Ziel war es, mir ein Rettungsseil von oben zuzuwerfen.

Gesagt, getan.

Dieser Hoffnungsschimmer gab mir die Kraft, mich weiterhin am Fels festzukrallen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam das rettende Seil von oben. Ich versicherte mich, dass es fest verhängt war und ich zupacken kann. Alles klar.

Und was denkst du, was jetzt passierte?

Nein, ich habe das Seil nicht gepackt.

In meinem Kopf verschwand das Sturzszenario. Und schlagartig entspannte ich mich. Und mit der Entspannung lösten sich auch meine Muskeln. Ich stellte mich besser am Fels, lockerte meine Griffe.

Und kletterte zum Gipfel weiter. – Ohne je in dieses Rettungsseil gegriffen zu haben.

Es ist ganz offensichtlich was hier passierte, oder?

Mein Kopf blockierte meinen Körper. Meine mentale Schwäche verunmöglichte meinem Körper sich weiter zu bewegen. Meine Gedanken kreisten ausschließlich um den Sturz. Um all die schlimmsten Möglichkeiten, die passieren könnten. Ich fokussierte mich auf die Niederlage und nicht den (Gipfel) Sieg.

Die Moral von der Geschichte:

Fokussiere dich immer auf die Tätigkeit, die du ausführen möchtest. Konzentriere dich auf deine Ziele und auf deine Erfolge. Male dir nicht immer das Schlimmste aus. Ganz im Gegenteil: Stelle dir bereits deinen Erfolg vor. Spüre ihn.

Löse deine negativen Glaubenssätze auf. Wenn du innerlich überzeugt bist, dass du es gar nicht schaffen kannst, wird es auch nicht gelingen. 

Erfolg beginnt im Kopf. 

Selbstverständlich darfst du die Risiken nicht ausblenden. Du musst dir vorher im Klaren sein, was alles passieren kann. Du musst die Risiken kalkulieren.

Wenn du zum Beispiel als Fußgänger eine Straße überquerst, wirst du immer wissen, dass ein Unfall passieren könnte. Aber bei guter Überwachung des Straßenverkehrs, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass du verunfallst. Also wirst du die Straße angstfrei überqueren.
Übertragen auf meinen Kletterweg: Ich bin mitten auf der Straße stehen geblieben, weil ich in weiter Ferne ein Auto gesehen habe. Plötzlich habe ich nur noch an einen Autounfall gedacht und war nicht mehr in der Lage, die Straße fertig zu überqueren.

Mein Fehler war: Bei der ersten kleinen Kletterschwierigkeit habe ich mich auf meinen Sturz fokussiert und nicht auf meinen Erfolg. Ich hatte im Vorfeld die Risiken genau kalkuliert – zumindest die körperlichen und technischen. Ich wurde aber von meiner mentalen Schwäche überrumpelt.

Wenn das Rettungsseil nicht gekommen wäre, wäre ich mit diesem blockierenden Mindset abgestürzt.

Mentale Weisheit:

"Achtsamkeit bedeutet, dass wir ganz bei unserem Tun verweilen, ohne uns ablenken zu lassen." Dalai Lama
"Richte deinen Fokus auf die Lösung und nicht das Problem." Ghandi
„Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.“  Marie von Ebner-Eschenbach

Wer schreibt hier?

Grit hilft anderen zu mehr mentaler Stärke, damit sie ihren Alltag gelassen meistern und ihre Ziele effizient erreichen. Aufgrund ihrer mentalen Lebenserfahrung weiss sie genau, was es in der Praxis braucht, um glücklich, stressfrei und erfolgreich durchs Leben zu kommen. Lies hier mehr über Grit. 

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