Mangelndes Selbstwertgefühl überwinden: Ursachen, Folgen und wie du deinen Selbstwert stärkst

Mangelndes Selbstwertgefühl kann belastend sein. Vielleicht kennst du diese leise innere Stimme, die dich kritisiert, deine Stärken kleinredet oder dich mit anderen vergleicht. Dann fühlst du dich nicht gut genug, obwohl du es objektiv betrachtet längst wärst.

Das Bild, das du von dir selbst hast, beeinflusst maßgeblich, wie glücklich, selbstbewusst und erfüllt du durchs Leben gehst. Ein niedriges Selbstwertgefühl kann sich psychisch und im Alltag stark bemerkbar machen – in Beziehungen, im Job oder im Umgang mit dir selbst.

Die gute Nachricht: Dein Selbstwert ist veränderbar. In diesem Artikel erfährst du, was diese innere Unsicherheit wirklich bedeutet, welche Ursachen dahinterstecken und wie du Schritt für Schritt dein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen stärken kannst.

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Ein mangelndes Selbstwertgefühl bedeutet, dass du dich innerlich häufig nicht gut genug oder nicht wertvoll fühlst.
  • Typische Anzeichen sind Selbstzweifel, ständige Vergleiche, übermäßige Selbstkritik und das Bedürfnis nach Bestätigung.
  • Ursachen liegen oft in Kindheitserfahrungen, Kritik, Vergleich, Leistungsdruck oder belastenden Erlebnissen.
  • Im Alltag kann das Beziehungen, Job und Lebenszufriedenheit spürbar beeinträchtigen.
  • Die gute Nachricht: Mit konkreten Übungen kannst du deinen Selbstwert Schritt für Schritt stärken.

1. Was ist ein mangelndes Selbstwertgefühl?

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Das Selbstwertgefühl ist das Epizentrum deiner Psyche.

Stefanie Stahl

deutsche Psychologin und Buchautorin

Diese Aussage habe ich das erste Mal in einem Podcast von Stefanie Stahl gehört. Sie ist eine renommierte Psychologin und Autorin, bekannt durch ihr Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“. Ihr Kernthema ist der „Selbstwert“ und viele Erkenntnisse zu diesem Thema gehen auf ihre Arbeit zurück.

Ein mangelndes Selbstwertgefühl beschreibt die innere Überzeugung, nicht gut genug, nicht wertvoll oder nicht ausreichend zu sein.

Menschen mit einem niedrigem Selbstwert hinterfragen sich häufig, vergleichen sich mit anderen und erleben starke Selbstzweifel.

Der eigene Wert wird dabei oft an Leistung, Anerkennung oder Perfektion geknüpft, statt an das eigene Sein.

Warum ist das Selbstwertgefühl das Epizentrum unserer Psyche?

Dein innerer Wert ist im Grunde der Dreh- und Angelpunkt deines Lebens. Wenn du tief in deinem Inneren glaubst, dass du in Ordnung bist, blickst du mit mehr Vertrauen auf dich und deine Umwelt. Glaubst du hingegen, du bist „nicht gut genug“, färbt das deine Wahrnehmung und dein Verhalten.

Fühlst du dich innerlich klein, wirken andere Menschen schnell größer oder stärker. Du ziehst dich zurück, passt dich an oder versuchst, dich zu schützen. Spürst du hingegen ein stabiles Gefühl von Selbstwert, begegnest du anderen auf Augenhöhe und kannst sowohl deine Stärken als auch deine Schwächen annehmen.

Gegenteil mangelndes Selbstwertgefühl: starkes Selbstwertgefühl

Ein stabiles inneres Fundament ermöglicht es dir, authentische Beziehungen zu führen, deine Stärken anzunehmen und dich selbst als wertvollen Teil der Gemeinschaft zu erleben. 

2. Ursachen für ein geringes Selbstwertgefühl

Bevor wir tiefer einsteigen, ist mir eine zentrale Unterscheidung wichtig:
Dir mangelt es nicht an Selbstwert, sondern „nur“ an einem positiven Selbstwertgefühl.

Dein Wert als Mensch ist nicht verhandelbar. Doch dein Selbstwertgefühl beschreibt, wie du dich selbst innerlich bewertest, also dein Selbstbild. Und genau hier entsteht das Problem.

Menschen mit innerer Unsicherheit richten ihren Fokus häufig auf ihre Schwächen. Dinge, die anderen kaum auffallen, werden überbewertet, während die eigenen Stärken in den Hintergrund geraten.

Unser Gehirn unterstützt diesen Mechanismus leider noch: Es springt stärker auf Probleme an als auf Positives. Was dich verunsichert, bekommt automatisch mehr Aufmerksamkeit und beeinflusst langfristig sogar deine Lebenszufriedenheit.

Meine Erfahrung zeigt: Vielen Betroffenen ist dieser innere Fokus gar nicht bewusst. Er läuft wie ein Automatismus ab.

Doch wie entsteht dieses innere Minderwertigkeitsgefühl überhaupt?

2.1 Die Rolle der Kindheit

Ein entscheidender Grund liegt oft in deiner Kindheit.

Der Mensch wird mit einem unfertigen Gehirn geboren, nur etwa 25% bis 30% sind bei der Geburt ausgebildet. Ein großer Teil der neuronalen Verknüpfungen entwickelt sich erst in den ersten Lebensjahren. Genau in dieser Zeit entsteht dein grundlegendes Selbstbild, also die innere Antwort auf die Frage: „Bin ich richtig, so wie ich bin?“

Ob sich ein stabiles oder ein geringes Selbstwertgefühl entwickelt, hängt von mehreren Faktoren ab:

  1. Deine Veranlagung:
    Wir kommen mit unterschiedlichen Temperamenten auf die Welt. Manche Kinder sind sensibler, harmoniebedürftiger oder emotional empfänglicher. Andere sind robuster und weniger anfällig für Kritik. Je sensibler ein Kind ist, desto stärker können äußere Einflüsse das Selbstwertgefühl prägen.
    Wenn ADHS bei dir eine Rolle spielt, kann das den Blick auf dich selbst zusätzlich prägen. ADHS und Selbstwert
  2. Deine Familie
    Eltern spielen eine zentrale Rolle. Der Erziehungsstil hat einen großen Einfluss. Liebe, Geborgenheit und gleichzeitig die Ermutigung zur Eigenständigkeit sind entscheidend. Wenn ein Kind sich angenommen fühlt – auch mit Fehlern – entwickelt es eher Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Werden die eigenen Bedürfnisse eines Kindes dauerhaft übergangen, entsteht schnell das Gefühl, nicht wichtig zu sein. 
  3. Dein soziales Umfeld
    Geschwister, Schule, Freunde oder Vereine hinterlassen ebenfalls Spuren. Wiederholte Kritik, Ausgrenzung oder ständiger Vergleich können dazu führen, dass ein Kind beginnt, an sich zu zweifeln.
  4. Kulturelle Prägungen
    Auch gesellschaftliche Werte beeinflussen das Selbstwertgefühl. Wer früh vermittelt bekommt, weniger wert zu sein – etwa aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder Status – übernimmt diese Botschaft häufig unbewusst.

Diese Faktoren wirken selten isoliert. Sie verstärken sich oft gegenseitig. Ein sensibles Kind, das viel Kritik erlebt, entwickelt schneller Selbstzweifel als ein robustes Kind im gleichen Umfeld.

2.2 Kritik, Vergleich und Leistungsdruck

Kritik, ständiger Vergleich und hoher Leistungsdruck können deine Selbstachtung erheblich beeinträchtigen. 

Wenn du häufig kritisiert wurdest oder nur dann Anerkennung erfahren hast, wenn du etwas besonders gut gemacht hast, verknüpft dein Inneres Leistung mit Wert. Fehler fühlen sich dann nicht wie normale Entwicklungsschritte an, sondern wie persönliches Versagen.

Oft entsteht daraus eine tiefe Angst zu versagen. Du möchtest alles richtig machen, bloß nicht negativ auffallen oder andere enttäuschen. Aus dieser Angst heraus entwickelt sich nicht selten ein starker Perfektionismus. Doch Perfektionismus ist selten ein Zeichen von Stärke. Häufig ist er ein Schutzmechanismus.

Der eigene Wert wird dabei an Ergebnisse geknüpft: an Noten, Leistung, Anerkennung oder Lob. Bleibt das aus, gerät sofort das innere Gleichgewicht schnell ins Wanken.

2.3 Psychische Belastungen und negative Erfahrungen

Neben Kindheit, Kritik und Leistungsdruck können auch belastende Erfahrungen dein Selbstwertgefühl nachhaltig beeinflussen.

Dazu gehören zum Beispiel wiederholte Zurückweisung, Mobbing, Trennungen oder andere schmerzhafte Erlebnisse. Wenn du über längere Zeit das Gefühl hattest, nicht dazuzugehören oder nicht zu genügen, prägt sich diese Botschaft tief ein.

Auch psychische Belastungen wie depressive Phasen, starke Unsicherheit oder anhaltender Stress können dazu führen, dass dein Blick auf dich selbst immer negativer wird. Die eigenen Stärken treten in den Hintergrund, während Selbstzweifel stärker werden.

Wichtig ist jedoch: Solche Erfahrungen erklären, warum dein Selbstwertgefühl heute gering ist. Sie definieren aber nicht deinen tatsächlichen Wert.

3. Symptome: Woran erkennst du ein niedriges Selbstwertgefühl?

Ein mangelndes Selbstwertgefühl zeigt sich oft nicht sofort. Es äußert sich in Denk- und Verhaltensmustern, die sich über Jahre einschleichen.

Typische Anzeichen sind:

  • Starke SelbstzweifelDu hinterfragst ständig deine Entscheidungen und deine Fähigkeiten.
  • Suche nach Bestätigung. Anerkennung von außen wird fast überlebenswichtig und du wirst schnell abhängig davon.
  • Ständige Vergleiche mit anderen verbunden mit dem Gefühl, immer den Kürzeren zu ziehen.
  • Übermäßige Selbstkritik. Erfolge werden relativiert, Fehler dagegen überbewertet.
  • Negative Gedanken über dich selbst – begleitet von dem Gefühl, nicht gut genug oder sogar wertlos zu sein.

Typische Sätze bei wenig Selbstvertrauen sind zum Beispiel:

  • Ich bin mir nicht sicher, ob ich das kann.
  • Ich mache bestimmt wieder einen Fehler.
  • Das war nur Glück.
  • Andere können das besser als ich.
  • Ich will nicht auffallen.

All diese Muster können deine persönliche Wahrnehmung beeinflussen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie subtil das ablaufen kann. Es gab Zeiten, in denen ich eine tiefe innere Wertlosigkeit empfand und meine eigenen Erfolge kaum wahrgenommen habe. Ich war so sehr mit meinen vermeintlichen Schwächen beschäftigt, dass das Positive keinen Raum mehr bekam.

Viele Menschen versuchen, ihr niedriges Selbstwertgefühl zu verbergen. Nach außen soll niemand merken, wie unsicher sie sich innerlich fühlen. Dabei entstehen meist zwei typische Strategien.

3.1 Leise Selbstunsicherheit

Hier passt du dich an, möchtest nicht anecken und versuchst, es allen recht zu machen. „Nein“ zu sagen fällt schwer. Fehler fühlen sich wie Katastrophen an, weil du Angst vor Ablehnung hast. Deine eigenen Bedürfnisse stellst du oft hinten an, um Harmonie zu wahren.

3.2 Laute Selbstunsicherheit

Manche Menschen gehen den entgegengesetzten Weg. Sie wirken laut, dominant oder besonders selbstbewusst. Kritik wird abgewehrt, Schwäche nicht gezeigt. Doch hinter dieser Fassade steckt häufig ebenfalls ein geringes Selbstwertgefühl. Die Lautstärke dient als Schutzschild.

Vor allem Menschen, die ihr mangelnde Selbstachtung mit Lautstärke überdecken, werden oft gar nicht als unsicher erkannt. Im Gegenteil, sie werden häufig bewundert, weil sie scheinbar so selbstbewusst wirken und ihr Leben bestens im Griff haben.

Meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass sich „leise“ und „laute“ Unsicherheit abwechseln können. In meiner Jugend habe ich beides erlebt: Zuerst versuchte ich, mein mangelndes Selbstwertgefühl mit Arroganz und auffälligem Verhalten zu überdecken. Als das nicht funktionierte, wurde ich leise und angepasst. Beide Strategien haben meinen Selbstwert nicht gestärkt.

Wenn du dich in einigen Punkten wiedererkennst, kann dir ein kurzer Test helfen, dich besser einzuordnen. Beantworte 10 Fragen und schau, wo du gerade stehst.

Mehr zum Test und zur Auswertung findest du hier: Selbstwert-Test: Ein Blick in dein Inneres.

4. Wie wirkt sich mangelndes Selbstwertgefühl im Alltag und psychisch aus?

Ein niedriger Selbstwert bleibt nicht auf deine Gedanken beschränkt. Er beeinflusst, wie du dich verhältst, wie du Situationen interpretierst und wie du dich in sozialen Beziehungen erlebst.

Viele dieser Muster wirken zunächst unauffällig. Doch auf Dauer können sie dein Wohlbefinden stark beeinträchtigen.

4.1 In Beziehungen

In sozialen Beziehungen zeigt sich ein niedriges Selbstwertgefühl oft besonders deutlich.

Typische Anzeichen:

  • Du hast ständig Angst, zurückgewiesen zu werden.
  • Dich plagen oft Schuldgefühle, selbst dann, wenn objektiv kein Grund dafür besteht.
  • Du traust dich nicht, Grenzen zu setzen und stellst deine eigenen Bedürfnisse hinten an.
  • Du gerätst in emotionale Abhängigkeit, weil du Bestätigung von außen brauchst. Oft fühlst du dich ungeliebt.
  • Du ziehst dich zurück, bevor dich jemand verletzen kann.
  • Du leidest unter Minderwertigkeitsgefühlen und interpretierst neutrale Aussagen schnell als Kritik oder Ablehnung.

Solche Muster haben einen starken Einfluss auf deine Beziehungen, oft ohne dass es dir bewusst ist. Wenn du sehr feinfühlig bist, können solche Muster noch stärker wirken: Selbstvertrauen stärken für Hochsensible

4.2 Im Job

Im Job zeigt sich innere Unsicherheit oft deutlicher, als dir lieb ist. Du zweifelst an deinen Fähigkeiten, obwohl deine Leistungen gut sind. Kritik trifft dich hart, Erfolge redest du klein.

Fehlende Wertschätzung wirkt wie ein Beweis dafür, nicht genug zu sein. Bleibt Anerkennung aus, beginnst du sofort, an dir zu zweifeln.
Vielleicht arbeitest du übermäßig viel, um endlich Bestätigung zu bekommen. Oder du hältst dich zurück, aus Angst zu versagen.

Auf Dauer kann das deine berufliche Entwicklung und deine Zufriedenheit stark beeinträchtigen.

4.3 In Lebensumbrüchen und späteren Lebensphasen

Gerade in späteren Lebensabschnitten kann innere Unsicherheit noch einmal besonders spürbar werden.

Wenn Kinder aus dem Haus gehen, eine Trennung erfolgt oder der Übergang in den Ruhestand ansteht, geraten vertraute Rollen ins Wanken. Plötzlich fehlt eine Aufgabe, eine Struktur oder ein Gefühl von Bedeutung.

Vielleicht stellst du dir Fragen wie:
Wer bin ich eigentlich – ohne meinen Beruf, ohne meine Rolle, ohne die Erwartungen anderer?

In solchen Phasen können alte Selbstzweifel wieder auftauchen. Das Gefühl, nicht gebraucht oder nicht ausreichend zu sein, kann sich verstärken. Innere Unsicherheit wirkt dann wie ein Vergrößerungsglas auf alles, was ohnehin fragil ist.

Gerade hier zeigt sich, wie stabil dein inneres Fundament wirklich ist.

5. Selbstwertgefühl vs. Selbstakzeptanz, Selbstbewusstsein, Selbstliebe und Selbstvertrauen. Was bedeutet was?

Rund um das Thema gibt es viele „Selbst-Wörter“. Und ganz ehrlich: Viele meinen etwas Ähnliches, sind aber nicht dasselbe. Damit du dich im Artikel nicht verirrst, kommt hier die klare Abgrenzung.

Selbstwertgefühl, Selbstakzeptanz, Selbstbewusstsein, Selbstliebe und Selbstvertrauen im Überblick

Selbstwertgefühl
Das ist dein inneres Grundgefühl: „Ich bin wertvoll, auch ohne Leistung.“ Es ist wie das Fundament.

Selbstakzeptanz:
Du kannst dich annehmen, wie du bist, inklusive Ecken und Kanten. Du musst nicht perfekt sein, um okay zu sein.

Selbstbewusstsein:
Du kennst dich selbst. Du weißt, wie du tickst, was du kannst, was dir wichtig ist und wo deine Grenzen liegen. Dadurch trittst du oft auch selbstsicherer auf.

Selbstliebe:
Du gehst freundlich mit dir um. Auch dann, wenn du Fehler machst. Du kümmerst dich um dich, statt dich innerlich fertigzumachen.

Selbstvertrauen:
Du traust dir etwas zu, vor allem in konkreten Situationen. Zum Beispiel: „Das schaffe ich.“ Und das kann je nach Lebensbereich unterschiedlich stark sein.

Selbstwertgefühl = Fundament.
Selbstvertrauen = Zutrauen in Fähigkeiten.
Selbstbewusstsein = Klarheit über dich.
Selbstakzeptanz = Annehmen.
Selbstliebe = wohlwollender Umgang mit dir.

Und ja: Diese Begriffe hängen zusammen. Aber wenn das Fundament wackelt, wird es in den anderen Bereichen schnell anstrengend.

6. Kann ein geringes Selbstwertgefühl auch positive Seiten haben?

Ja, das kann es. Nicht direkt, sondern über die Strategien, die viele Menschen entwickeln, um sich sicherer zu fühlen und Fehler zu vermeiden. Einige davon haben echte positive Seiten.

Zum Beispiel:

  • Du bereitest dich sehr gut vor. Du planst sorgfältig, denkst Dinge zu Ende und gehst Aufgaben strukturiert an.
  • Du bist zuverlässig, hältst Absprachen ein und ziehst Dinge durch.
  • Du bist rücksichtsvoll. Du achtest darauf, wie es anderen geht und wählst deine Woche achtsam.

Das Schöne ist: Wenn du später mehr inneren Halt aufbaust, kannst du diese Seiten behalten. Nur ohne dich ständig beweisen zu müssen.

7. Selbstwertgefühl stärken: 5 konkrete Übungen

Selbstwertgefühl stärken

Steigerung Selbstwertgefühl: Arbeiten: an mir selbst, mit mir selbst und für mich selbst!

Bevor wir zu den Übungen kommen, ist mir ein Gedanke wichtig. Dein Gehirn arbeitet mit einem Aufmerksamkeitsfilter. Was für dich gerade wichtig ist, fällt dir plötzlich überall auf.

Wenn du dir ein neues Auto kaufen willst und dich für ein Modell entschieden hast, siehst du es auf einmal ständig auf der Straße.

Genauso funktioniert es mit deinem Blick auf dich selbst. Wenn dein Fokus auf Schwächen liegt, findest du im Alltag immer wieder Beweise dafür, dass du nicht genügt hast.

Die folgenden Übungen helfen dir, diesen Fokus Schritt für Schritt zu verändern. Es sind kleine Strategien für den Alltag, die du sofort anwenden kannst.

7.1 Übung 1: Nachsichtiger mit dir umgehen

Nimmst du bei dir Dinge wahr, die niemand sonst bemerkt? Und vielleicht sind es nicht einmal echte Schwächen, sondern nur Punkte, bei denen du besonders streng mit dir bist? Manchmal steckt dahinter sogar eine Stärke.

Der erste Schritt ist deshalb nicht, dich zu „verbessern“, sondern nachsichtiger mit dir zu werden. Schau bei kleinen Fehlern bewusst darüber hinweg, so wie du es bei guten Freunden ganz selbstverständlich tun würdest.

Eine einfache Frage hilft dir dabei: Würdest du mit einem Menschen, den du liebst, genauso hart sprechen wie mit dir selbst? Wenn die Antwort „Nein“ ist, dann weißt du, was zu tun ist.

Wenn dir etwas nicht gut gelungen ist, mach dich nicht fertig. Fehler gehören zum Leben. Du darfst daraus lernen, ohne dich dafür innerlich abzuwerten. Oft entsteht genau daraus etwas, das dich langfristig stärkt.

7.2 Übung 2: Schwächen annehmen, ohne dich abzuwerten

Ich weiß, Schwächen zu akzeptieren ist nicht immer einfach. Aber es bringt dir nichts, wenn du dich darüber ärgerst und dich dadurch noch minderwertiger fühlst. Das zieht dich nur weiter runter. Viel hilfreicher ist radikale Akzeptanz. Du hörst auf, gegen etwas anzukämpfen, das gerade einfach zu dir gehört.

Ich gebe dir ein Beispiel aus meinem Leben. Eine meiner größten Schwächen ist, dass ich mir Namen schlecht merken kann. Schon als Kind habe ich mich damit gequält, Gedichte auswendig zu lernen. Später habe ich alles ausprobiert, um das „in den Griff“ zu bekommen. Vokabeln pauken, Tricks, Listen, Druck. Ich war überzeugt, ich muss das doch schaffen.

Irgendwann habe ich gemerkt: Ich verliere dabei unglaublich viel Energie. Energie, die ich viel besser in meine Stärken stecken könnte. Heute gehe ich damit anders um. Ich akzeptiere diese Schwäche und nehme sie mit mehr Humor. Ja, es gibt immer noch peinliche Momente. Aber ich mache mich dafür nicht mehr fertig.

Inzwischen finde ich: Diese Schwäche gehört nun mal zu mir und macht meine Persönlichkeit aus 🙂.

Und ganz wichtig: Schwächen anzunehmen bedeutet nicht, sie gut zu finden. Es heißt nur, dass du aufhörst, dich wegen ihnen abzuwerten. Du nimmst sie als Teil deiner Persönlichkeit an. Punkt.

7.3 Übung 3: Raus aus dem Dauer-Check

Wenn du ein mangelndes Selbstwertgefühl hast, kennst du das wahrscheinlich: Du beobachtest dich selbst ständig. Du checkst, wie du wirkst, was andere denken könnten und ob du „alles richtig machst“. In der Psychologie nennt man das Auto-Monitoring.

Typische Gedanken sind dann zum Beispiel:

  • Was denken wohl die anderen über mich?
  • Wie sehe ich aus, wirke ich komisch?
  • Habe ich etwas Peinliches gesagt?
  • War das jetzt unpassend?

Bei diesem Auto-Monitoring bist du sehr stark auf dich selbst fokussiert. Je mehr du dich kontrollierst, desto größer werden die Selbstzweifel. Du richtest deinen Blick noch stärker auf vermeintliche Fehler und ordnest dich eher unter, damit du ja nicht auffällst.

Was dabei leicht vergessen wird: Die meisten Menschen sind mit sich selbst beschäftigt. Sie denken über ihr eigenes Auftreten nach, über ihre eigenen Probleme und ihre eigenen Unsicherheiten. Dein „Dauer-Check“ fällt ihnen oft viel weniger auf, als du glaubst.

Die Übung ist deshalb einfach, aber sehr wirksam: Lenke deinen Fokus bewusst nach außen.

  • Hör deinem Gegenüber wirklich zu, ohne parallel dich selbst zu bewerten.
  • Stell eine echte Frage und bleib mit deiner Aufmerksamkeit bei der Antwort.
  • Schau dich kurz im Raum um und nimm drei Dinge wahr, die nichts mit dir zu tun haben.

Das klingt simpel, ist aber heilsam. Du vergisst darüber nachzudenken, wie du möglicherweise auf andere Menschen wirkst.

7.4 Übung 4: Stärken bewusst wahrnehmen und nutzen

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Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. 

Marie von Ebner-Eschenbach

mährisch-österreichische Schriftstellerin

Der Glaube an die eigene Kraft ist entscheidend. Und damit meine ich ganz konkret deinen Glauben an deine Stärken und Talente. Den kannst du stärken. Schritt für Schritt.

Vielleicht denkst du, deine Stärken seien nichts Besonderes. Dinge, die andere auch können und die deshalb keine Bedeutung haben. Das ist ein Irrtum. Natürlich haben andere ähnliche Eigenschaften. Trotzdem ist deine Mischung einzigartig. Und genau diese Mischung macht dich aus.

Die Übung ist simpel, aber wirksam. Du machst deine Stärken sichtbar, statt sie wegzuwischen. So gehst du vor:

  • Sammle deine Stärken. Schreib mindestens zehn auf. Auch die kleinen. Auch die, die du für selbstverständlich hältst.
  • Schreib zu jeder Stärke ein Beispiel. Wann hast du diese Stärke zuletzt gezeigt? Das macht sie real.
  • Nimm dir jeden Abend eine Minute. Überlege dir, welche deiner Stärken du heute genutzt hast. Diese kurze Selbstreflexion stärkt deinen Fokus auf das, was dir gelingt.

Und noch etwas Praktisches: Hast du ein Hobby, das dir wirklich Spaß macht. Dann intensiviere es. Hobbys führen dich oft ganz automatisch zu dem zurück, was du gut kannst.

7.5 Übung 5: Die Spiegelübung

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Die Spiegelübung ist die beste und wirksamste Übung, die ich kenne. Sie ist gleichzeitig auch die Schwierigste.  

Rolf Merkle

deutscher Psychologe und Psychotherapeut

Viele wehren sich beim ersten Mal innerlich dagegen. Das ist normal.

Gerade wenn du dich lange kritisiert hast, fühlt es sich ungewohnt an, dir selbst freundlich zu begegnen. Oft meldet sich dann sofort der innere Kritiker und sagt: Das ist doch lächerlich. Das meinst du nicht ernst. Das ist überheblich. Lass diese Gedanken einfach da sein, ohne ihnen zu folgen. 

So gehst du vor: 

  1. Stell dich vor einen Spiegel, am besten bei gutem Licht.
  2. Schau dir selbst in die Augen. Halte den Blick ein paar Sekunden, auch wenn es sich komisch anfühlt.
  3. Sprich dich mit deinem Namen an und sag laut: „[Name], ich mag dich.“ Dieser Satz ist eine Affirmation. Du wiederholst ihn, um neue freundliche Gedanken über dich zu trainieren.
  4. Sage dir diese Worte so liebevoll und warm, als würdest du sie einem geliebten Menschen sagen. Lächle dich dabei herzlich an.
  5. Mach das regelmäßig. Morgens und abends ist ein guter Start. Wenn du es öfter machst, wird es schneller leichter und vertrauter.

Meiner Erfahrung nach ist die Spiegelübung besonders wirksam für Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl. Für mich selbst ist es heute keine Übung mehr, sondern eine alltägliche Routine 😊.

Wenn du danach noch mehr konkrete Ideen suchst, schau hier rein: Wie kann ich selbstbewusst werden. 55 Ideen und Tipps.

8. Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Ein mangelndes Selbstwertgefühl ist nicht einfach nur „ein bisschen Unsicherheit“. Es kann deine psychische Gesundheit so stark belasten, dass du dich im Alltag kaum noch wiedererkennst. Manche rutschen dadurch in depressive Phasen, verlieren Antrieb und Lebensfreude oder ziehen sich immer weiter zurück.

Professionelle Unterstützung ist besonders dann sinnvoll, wenn du merkst, dass du alleine nicht mehr rauskommst, zum Beispiel wenn:

  • deine Stimmung seit Wochen gedrückt ist und du kaum noch Freude empfindest
  • Schlaf, Appetit oder Energie dauerhaft aus dem Gleichgewicht sind
  • du dich im Alltag stark eingeschränkt fühlst und alles nur noch schwer schaffst
  • du dich ständig abwertest und negative Gedanken nicht mehr stoppen kannst
  • du dich immer mehr isolierst oder Beziehungen darunter leiden
  • du Gedanken hast, dass du nicht mehr hier sein möchtest

Dann gilt wirklich: Hol dir Hilfe. Du musst da nicht alleine durch. Eine Psychotherapie kann dir helfen, die Ursachen zu verstehen und neue, stabilere Denk- und Verhaltensmuster aufzubauen. Verhaltenstherapie ist dabei oft besonders praktisch, weil du konkrete Werkzeuge für den Alltag bekommst.

Anlaufstellen können sein: Hausarzt, Psychotherapeut, psychologische Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen. Ein Coach oder Mentaltrainer kann ergänzend helfen, ersetzt aber keine Therapie, wenn du psychisch stark leidest.

9. Fazit – mangelndes Selbstwertgefühl überwinden

Dein Selbstwertgefühl beeinflusst, wie du denkst, fühlst und handelst. Wenn es stabil ist, fühlst du dich innerlich sicherer. Du kennst deine Stärken und Schwächen, bleibst aber nicht an deinen Fehlern hängen. Du siehst dich insgesamt fairer.

Ein mangelndes Selbstwertgefühl kann deine Lebensqualität deutlich senken. Du fühlst dich unwohl, zweifelst an dir und verbiegst dich vielleicht, damit niemand deine vermeintlichen Schwächen sieht. Meine Erfahrung zeigt: Wenn du Schritt für Schritt an deinem Selbstwert arbeitest, wird vieles leichter. Du begegnest anderen eher auf Augenhöhe und brauchst weniger Bestätigung von außen.

Wie sieht es bei dir aus? Woran merkst du bei dir am stärksten, dass dein Selbstwert gerade wackelt? Was tust du, um dein Selbstwertgefühl zu stärken? Schreibe es in den Kommentaren. 

ÜBER dIE AutorIN

Grit Schönherr ist zertifizierte Mentaltrainerin für den Alltag, Ex-Leistungssportlerin und Gründerin von 365mentalfit.de. Beruflich hat sie jahrelang in der Software-Beratung und im HR-Bereich Menschen geschult, gecoacht und begleitet, unter anderem als Teamleiterin.

Aus eigener Erfahrung mit Depression, Selbstzweifeln und chronischem Schmerz entwickelt sie alltagstaugliche Methoden für mehr innere Stärke und Gelassenheit – vor allem für Frauen ab 50. Ihr Schwerpunkt: Selbstwertgefühl stärken, Selbstvertrauen aufbauen und mentale Stärke entwickeln.

Mehr über Grit und ihre Geschichte erfährst du auf der Über-mich-Seite.

  • Hallo Grit,

    vielen Dank für deinen Kommentar bei mir. Ich habe mich sehr über deinen lieben Kommentar gefreut 🙂 Zum Thema Selbstwertgefühl, uff, ist schwierig. Ich hatte, denke ich, eine Kindheit die okay an sich war, also was Familie etc angeht. Doch von Außerhalb war sie nicht so prickelnd. Ich wurde öfter als Hässlich bezeichnet. Das hat sich sehr tief eingebrannt.

    Ich hatte beim Test tatsächlich eine 44. Also im unteren Bereich… Aber eigentlich wusste ich das Ergebnis schon vorher. 🙁

    Liebe Grüße, Anja

    • Hallo Anja
      Es freut mich, dass du den Selbstwerttest gemacht hast. Na ja, 44 ist wirklich nicht viel. Aber es ist in deiner Hand, etwas zu ändern ;-). Während ich deine Zeilen lese, habe ich sofort an negative Glaubensätze gedacht. Ich überarbeite grad einer meiner Beiträge, vielleicht wäre das etwas für dich? https://365mentalfit.de/negative-glaubenssaetze-aufloesen/
      Vielleicht versteckt sich noch ein negatives Denkmuster tief in deinem Unterbewusstsein.
      Alles Gute & liebe Grüße
      Grit

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